Kirchgemeindehaus Amriswil

Projektwettbewerb selektiv 2022

Das umliegende Ortsbild von Amriswil ist geprägt durch kleinteilige Bauvolumen und wenige gewerbliche Grossbauten, welche sich auf die Strassenzüge ausrichten. Der Bauplatz liegt zurückversetzt von der Weinfelderstrasse und in unmittelbarer Nachbarschaft zur evangelischen Kirche aus 1892. Mit ihrer hohen Gestalt und dem monumentalen Turm bildet sie eine imposante Erscheinung, welche durch ihre Platzierung auf der Anhöhe zusätzlich unterstrichen ist. Im Süden, topografisch tiefer gelegen, befindet sich der historische Friedhof als offener, terrassierter Raum. Mit Mauern und Grabfeldern wird eine Hauptausrichtung unabhängig von der Kirche gebildet, welche östlich durch ein abweichend orientiertes Feld ergänzt ist. Die Friedhofbauten sind in das Mauersystem eingebunden, wobei das WC-Häuschen und der Sezierturm den Aussenraum mit dem Gemeinschaftsgrab definieren. Im Nordosten grenzen Punktbauten mit Gewerbe- und Wohnnutzung an, was auch die Liegenschaft Iseli mit den geplanten Umgebungsarbeiten einschliesst. 

 

Für das Kirchenzentrum wird ein in der Höhe wie im Grundriss gestaffelter Baukörper vorgeschlagen, der individuell auf die ortsbaulichen Anforderungen und die Nutzungen reagiert. Gegen Norden ist ein zweigeschossiger Kopfbau vorgesehen, welcher sich zum Zugang hin behauptet, ohne die umfassende Dominanz der Kirche zu beeinträchtigen. Im Süden ist der Saal als wesentlicher Bestandteil des Raumprogramms aussen ablesbar und überblickt den Friedhof als Freiraum. Die niedrigere Verbindung im Zentrum beherbergt die Vertikalerschliessung und die dienenden Nutzungen, wobei der Foyerbereich eingeschossig in Erscheinung tritt und sich nach Westen öffnet. In der Gesamtausrichtung übernimmt der Neubau die Längsorientierung der Kirche, ohne Direktbezüge in Querrichtung und mit der gewählten Höhenlage bleibt er jedoch unabhängig. Die verschiedenen Aussenräume werden über die Verschränkung der Einzelvolumen gebildet. Im Süden wird mit der bestehenden Kleinbaute die Terrasse für Foyer und Saal gefasst. Der Aussenraum im Osten ist vielseitig zugänglich und unabhängig von Friedhof und Kirche orientiert. In Ebene +1 steht den Gruppen- und Jugendräumen eine eigenständig nutzbare Dachterrasse zur Verfügung. Die Büros sind als interner Bereich im Sockel angelegt und über Südosten belichtet. Die Räume unter Terrain werden durch die Tiefgarage und die Lagerflächen besetzt. 

 Die Umgebungsgestaltung präzisiert das bestehende Konzept und integriert in den Aussenräumen des Kirchenzentrums stimmige neue Themen. 

Das Niveau des Neubaus Ebene 0 ist tiefer gewählt als die Höhenlage der Kirche. Damit bleibt die Wahrnehmung des Sakralbaus auf der Anhöhe bestehen. Die leicht abfallende Rasenfläche zwischen den Bauten wird erhalten und mit zwei Spitzahornen ergänzt. Diese Neupflanzung vervollständigt die Symmetrie um die Kirche und ersetzt die entfallenen Hainbuchen. Der neue Aussenzugang zum Kirchenzentrum ab der Weinfelderstrasse wird von einer Hainbuchenhecke begleitet. Die Terrassen erhalten durch die Bepflanzung eine eigenständige Atmosphäre. Damit eine maximale Nutzungsflexibilität gewährleistet ist, werden nur einzelne, räumlich prägende Elemente vorgeschlagen. Die Terrasse Süd ist Ankunftsort und Aufenthaltsbereich zugleich. An der Schnittstelle von Saal, Dachterrasse und Friedhof ist eine Gleditsia triacanthos 'Sunburst' vorgesehen. Die Dachterrasse ist durch ein zentrales Holzpodest als Pflanz- und Sitzelement gegliedert. Dieses kann durch alle Altersgruppen unterschiedlich bespielt werden. Die Bepflanzung mit der schirmförmigen Amelanchier lamarkii und dem Pfeifenputzergras Penisetum alopecuoides bildet über die Jahreszeiten spannende Atmosphären.